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Kurzchronik der Gemeinde Guttenberg

Wappen der Gemeinde Guttenberg

Die Geschichte der Gemeinde Guttenberg ist eng verknüpft mit der Geschichte der Guttenberger Adelsfamilie. Sie war seit der Gründung bis 1848 die prägende Kraft der Gemeinde und ihrer Bewohner. 

1148 wurde erstmals ein Familienmitglied derer von Guttenberg erwähnt. Es war Gundeloh von Plassenberg, ein Ministerialer des Grafen Berthold von Andechs auf der Plassenburg ob Kulmbach. Die Familie hatte damals ihren Grundbesitz hauptsächlich in den Bereichen Wolfskehle und Fischergasse, die der Stadtmauer von Kulmbach vorgelagert waren. Weiter verfügten sie über Streubesitz bis nach Kupferberg und in Melkendorf, wo sie auch das Patronatsrecht für die Pfarrkirche vom Würzburger Bischof zu Lehen hatten. Vermutlich lag ihr Stammsitz am Zusammenfluss von Weißem und Roten Main, dem Steinenhaus.
Die Ministerialen (Dienstmannen) hatten als „Unfreie“ eine besondere Stellung in der herrschaftlichen Familie, sie gehörten einer gehobenen Schicht an und nannten sich nach ihrer Dienstburg. Der soziale Aufstieg zum niederen Adel vollzog sich ungefähr bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. 

Um 1250 teilte sich die Familie in 2 Linien und 1239 wird erstmals belegt, dass sich ein Teil den Namen Henlein gab. Die Henlein-Linie schloss sich eng an die Herren auf der Plassenburg, da ihr Besitz zu gering und zu nahe an der Plassenburg lag, um eine eigene adelige Herrschaft zu bilden. Die andere Familie konnte mit Willebrand von Plassenberg das Gebiet zwischen Untersteinach und Neuensorg von den edelfreien (adeligen) Walpoten, einem ehemals bedeutsamen Geschlecht erwerben, weil diese aufgrund ihres Machtverfalls zum Verkauf gezwungen waren.

Damit hatten die von Plassenberg eine eigene Rodungsherrschaft, mit der sie ihre Herrschaftsstellung demonstrieren konnten. Es ist bisher nicht belegt, ob der Name Guttenberg auf den Walpotennamen „Cotto“ zurückgeführt werden kann, oder ob er von dem „Gut am Berg“ abgeleitet ist. Weil der gekaufte Besitz außerhalb des Machtbereichs der Herren auf der Plassenburg lag, konnten sich die von Plassenberg räumlich von den Bindungen der alten Herrschaft lösen. Trotzdem blieben sie noch lange Zeit für die Plassenburger Herren als Ministeriale tätig. Ab 1440 wollte man aber auch dem Bamberger Bischof im Dienst präsent sein, um familienpolitische Interessen fördern zu können. Sowohl der Bamberger Bischof als auch der Kulmbacher Markgraf beanspruchten nämlich das Gebiet hoheitlich für sich, allerdings hatte der Markgraf den Vorteil, dass die Plassenburg viel näher bei Guttenberg lag als bei Bamberg. Als sich die beiden konkurrierenden Fürstentümer 1460-64 bekämpften, stellten sich die mittlerweile sieben Guttenberg-Linien mehrheitlich auf die Seite des Kulmbacher Markgrafen, dem sie mehr verbunden waren. In der Folgezeit unterstützten aber auch immer mehr Linien den Bambergischen Fürstenhof, weil auch der Bischof lukrative Posten, wie z.B. den Amtmann zu Kupferberg, zu vergeben hatte.

Die Guttenberger Adelsfamilie versuchte hartnäckig, in Untersteinach ihr Herrschaftszentrum zu errichten. Im Landbuch von 1386 wird berichtet, dass neben den 17 vorhandenen burggräflichen Anwesen, die Guttenberg noch 17 Höfe daselbst besitzen, worüber sie „alles Gericht“ für ihr Halsgericht in Guttenberg beanspruchen. Das Vorhaben scheiterte jedoch, weil Untersteinach für die Mächtigeren schon damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war. Abschriftliche Quellen des späten 15. Jahrhunderts erwähnen 1315 als Baujahr der Burg Guttenberg durch Heinrich von Plassenberg. In der Folge nahm diese Linie der Plassenberg den Namen Guttenberg an, erstmals belegt 1331. Der Ort dürfte damals aus einem Einzelhof oder einer kleinen Siedlung bestanden haben. Die früheste bekannte Aussage spricht von den „Leuten am Berg“.

Damals wurde auch die Burg Guttenberg (der Standort wird heute fälschlicherweise Schellenburg genannt) erbaut, die bis 1342 mit einem Öffnungsrecht für den Bamberger Bischof und danach für den Markgrafen von Kulmbach belastet war.

Erbauer der Burg war, mit Zustimmung von Bischof Wulfing, Heinrich von Plassenberg, der den Besitz aller bisherigen Familienlinien auf sich vereinigen konnte. Er gilt als der Stammvater aller von Guttenberg und gelobte, für sich und seine Erben, mit der Burg, den Bischof und die Bamberger Kirche in aller Not und zu jeder Zeit zu respektieren. Der Grund für die Wahl des Burgplatzes dürfte die Schutzlage auf bergiger Höhe über dem Zusammenfluss zweier Bäche, umgeben von notwendigen großen Waldgebieten, mit guter Fernsicht gewesen sein.

Aus Stiftungsurkunden des 14. Jahrhunderts geht hervor, dass die Plassenberg-Guttenberg einen relativ  geschlossenen Besitzkomplex im Umkreis von wenigen Kilometern um die neue Burg Guttenberg erworben hatten. Neben Untersteinach und Guttenberg werden folgende Dörfer und Weiler genannt: Weidmes, Streichenreuth, Möhrenreuth, Maierhof, Eeg, Markersdorf, Micheldorf(heute Torkel), Pfaffenreuth sowie die Wälder Spitzberg und Wolfsberg. In der Umgebung, z.B. Vogtendorf und Traindorf, hatte die Familie Einzelbesitz. Es ist ziemlich sicher, dass die meisten Orte von den Walpoten gerodet bzw. gegründet wurden. Nur der Ort Maierhof dürfte als Wirtschaftshof für die Burg im 14 Jahrhundert von den Guttenberg gegründet worden sein. Die Familie versuchte zielstrebig ihr Herrschaftsgebiet zu erweitern, was u.a. damaliger Grundbesitz in Horbach, Zegast, Walberngrün, Waldhermes, Schlackenau, Gösmes, Eppenreuth, Schindelwald, Rapettenreuth, Braunersreuth und Grafengehaig beweist.
Allerdings musste der Verlust des halben Ortes Untersteinach in Kauf genommen werden, weil der mächtigere Burggraf von der Plassenburg sein Interesse durchsetzte. (Mit dem Tod des letzten Andechs-Meraniers, Herzog Otto VIII., saßen 1248 nicht mehr die Andechs-Meranier auf der Plassenburg, sondern bis 1340 dessen Schwäger, die Grafen Orlamünde und dann die Zollern aus Nürnberg).

Durch geschicktes Taktieren sowohl mit dem Hochstift Bamberg, wie auch den Burggrafen der Plassenburg, gelang es der Familie weiter an Ansehen und Macht zu gewinnen. So verlieh z.B. Bischof Albrecht von Bamberg im Jahr 1400 Fritz II. Güter nahe Münchberg.

1420 wird das Dorf Guttenberg mit 16 Höfen erstmals erwähnt.
Weil die Guttenberger nicht mehr nach Untersteinach in die Kirche laufen wollten, wurde 1442 die Pfarrei Guttenberg gegründet, nachdem lange Verhandlungen und auch Streit mit den Pfarrherren zu Untersteinach und dem Bischof von Bamberg vorausgegangen waren. Eine Kapelle war bereits seit dem Jahr 1379 unter dem Schloss errichtet worden, die später durch mehrere Umbaumaßnahmen zur Sankt Georgskirche vergrößert und Ende des 18. Jahrhundertes an gleicher Stelle neu errichtet wurde.

1444 bekam die Adelsfamilie von König Friedrich III. schriftlich das Privileg eines eigenen Halsgerichtes, obwohl es auch Hinweise darauf gibt, dass die Guttenberg schon früher die hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Damit verbunden war auch das Recht, Todesurteile auszusprechen und zu vollstrecken, was der bei der Schlossmühle stehende Galgen bewies. Dem Bamberger Bischof gefiel das jedoch gar nicht, weshalb es über Jahrzehnte hinweg immer wieder zu Streitigkeiten kam. Am 15.05.1499 entschied das Reichskammergericht, dass die Guttenberg das Halsgericht zu Unrecht ausübten. Trotzdem gelang es Martin I. von Guttenberg, sich im März 1510 erneut vom König Maximilian I. mit dem Halsgericht belehnen zu lassen. Der Bamberger Bischof fasste das als Provokation auf. Deshalb schickte er Stadtsteinacher Bauern nach Guttenberg, die den Galgen, der bei der Schlossmühle stand, fällten. Die Guttenberger antworteten noch am gleichen Tag mit der Zerstörung des Stadtsteinacher Galgens.

Offensichtlich fühlten sie sich aber durch den Bischof Georg bedroht. Sie wendeten sich deshalb an den Kulmbacher Markgrafen Friedrich mit der Bitte, er solle ihr Eigentum schützen und sie in ihrem Bestreben auf gerichtlichen Austrag unterstützen.

Nach langem Hin und Her landeten die Parteien erneut vor dem König, der jedoch keinen anderen Weg wusste, als diese zurück an den Bischof von Würzburg zu verweisen. Beide Seiten zeigten einen Friedenswillen und wollten ewige Streitigkeiten verhindern, weshalb man sich zumindest darauf einigte, dass der Bischof zukünftig immer dem Ältesten der Guttenberg das Halsgericht verleiht. Der Guttenberger Richter hatte jedoch stets den Bann über das Blut vom Bischof zu empfangen. Anerkannt wurde diese Lösung jedoch von beiden Seiten nicht richtig. Eine endgültige Lösung brachte erst das Jahr 1700, als man sich in einem Vertrag zwischen dem Kanton Gebürg und dem Bischof von Bamberg auf die sogenannte limitierte Cent einigte.
Den Adelsfamilien stand künftig die Gefangennahme und Auslieferung zu, die Verurteilung erfolgte dann durch die bambergisch bischöflichen Gerichte. Das war für Guttenberg das Centamt Kupferberg bis zum Ende des alten Reiches 1806.

Der Bau der Burg Neu-Guttenberg ab 1482 mitten in den Hof der Burg Alt-Guttenberg hinein führte zu großen Streitigkeiten. (=Standort des heutigen Schlosses) Denn, mindestens zwölf Personen hatten damals Anteile am Eigentum der Burg. Es galt nämlich noch die Regelung, dass im Erbfalle jeder Sohn gleichmäßig erbt. Die Töchter mussten bei Heirat oder Eintritt ins Kloster auf den Erbteil verzichten.

Immer mehr Personen hatten Anteil an der Burg und mussten auf Grund der Teilungen von immer weniger leben. Streitigkeiten und ein Zerfall des Familienverbundes waren die Folge. Dennoch siedelten sich weitere Angehörige der Adelsfamilie in der Guttenberger Gemarkung an und bauten Bauernhöfe wie Maierhof, Breitenreuth, Streichenreuth, Pfaffenreuth und Triebenreuth zu Adelssitzen aus. Bis Ende des 16. Jahrhunderts versuchte man mit mäßigem Erfolg durch Hauskonferenzen den Familienverbund zu stärken und strebte die Festlegung eines einheitlichen Regiments über die bäuerlichen Untertanen an, die Land nur als Lehen nutzen konnten. Zum Kreis der herrrschaftlichen Bediensteten gehörten u.a. Turmwächter, Mägde, Knechte, Schreiber, Jäger, der Müller der Schlossmühle, der Kaplan, der die jeweiligen Beschlüsse und Anordnungen der Herrschaft dem Volk von der Kanzel aus verkünden musste und zumindest ab Ende des 15. Jahrhunderts ein Schulmeister, der für die mindestens ansatzweise schulische Unterrichtung der Bauernkinder zuständig war.

In der Gerichtsordnung der Herrschaftsfamilie ist 1521 zum ersten Mal von Bürgermeister und „Rat der ganzen Gemeinde von Guttenberg“ die Rede. Mit einer kommunalen Gemeinde nach heutigem Verständnis hatte das aber noch nichts zu tun. Es handelte sich lediglich um eine Gerichtsgemeinde, d.h. Bürgermeister und Rat waren bei Gerichtsentscheidungen (als Schöffen) eingebunden.
Als herrschaftlich geordneten Bereich gab es noch die „Dorfgemein“, in der das Verhältnis zu den Rechtlern auf den Höfen in der Dorfordnung geregelt wurde. In dieser wurde festgeschrieben, wie die Herrschaft in die Belange der einzelnen Haushalte, auch des persönlichsten Bereiches, eingreifen und bei Nichtbefolgung bestrafen konnte.
Ab der 2.Hälfte des 16.Jahrhunderts wurden auch Vögte eingestellt, die für Kontroll- und Verwaltungsaufgaben zuständig waren.

Eingesprengt in die Territorien der Markgrafschaft Bayreuth und des Hochstifts Bamberg, stellten die zahlreichen fränkischen Adelssitze als dritte Kraft einen Dorn im Auge der Großen dar. Um 1490 wurde die Burg Alt-Guttenberg vom Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach besetzt, weil ihm der Bau der Burg Neu-Guttenberg zu bedrohlich erschien. Philipp von Guttenberg hatte aber bereits vorher sein Schloss durch seinen Dienstherrn, Georg von Bayern, besetzen lassen.
Damit war die Adelsfamilie von ihrem Besitz verdrängt. Sein Ziel, die ritterschaftliche Herrschaft seinem Territorium einzuverleiben, erreichte der Markgraf jedoch nicht. 1503 kam es zu einem Ausgleich und die Guttenberg bekamen ihre Güter wieder zurück. Die zentrale Frage ob ritterschaftliche Familien unabhängig bleiben konnten, war aber noch lange nicht geklärt.

1523 wurden die Burgen Alt- und Neu-Guttenberg von den Truppen des Schwäbischen Bundes vollends zerstört, weil Hektor und Philipp von Guttenberg den berüchtigten Raubritter Hans Thomas von Absberg unterstützten. Holzschnitte dokumentieren dieses Ereignis.

In den Bauernkriegen von 1525 wurden noch die letzten Reste dem Erdboden gleichgemacht. Die Sonderrechte und Privilegien des Adels sollten abgeschafft werden und grundsätzlich eine Gleichstellung mit Bürgern und Bauern erfolgen. Auch ein Hilfeersuchen der Guttenberg an den Kulmbacher Markgrafen blieb erfolglos. Hauptsächlich Bürger und Bauern aus Kupferberg, einem Amtssitz des Bischofs, plünderten und brandschatzten die Burgen und Höfe. In dieser Phase der Demütigung des ritterlichen Adels mussten sogar die oft bis zu 800 Schafe zählenden Schlossherden als Beutegut herhalten. Eine Abbildung aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts beweist, dass die Burg Neu-Guttenberg nach der Neuerrichtung ein völlig anderes Aussehen hatte.
Um einer Einverleibung durch die Fürsten entgegenwirken zu können, entschloss man sich, 1528 der „Freien Reichsritterschaft Landes zu Franken“ beizutreten.
Gegen entsprechende Geldzahlungen sicherte der Kaiser nämlich Schutz gegen fürstliche Übergriffe zu. Die Guttenberg gehörten im 15. und 16. Jahrhundert zu den wenigen Familien des “Kantons Gebürg“, die sowohl in den Hochstifen Bamberg und Würzburg als auch in der Markgrafschaft politische Ämter besetzten. Allerdings gelang es ihnen nicht, je den „Hauptmann auf dem Gebürg“ zu stellen. Das blieb hauptsächlich den Aufseß und Egloffstein, aber auch den Wirsberg und Waldenfels vorbehalten.

Während der Reformation, im Jahre 1555, wurden die Guttenberg evangelisch, denn sie konnten dadurch ihren Pfarrer selber bestimmen und auch in den Fällen des Zinswuchers und der Ehescheidung die eigene Kirchengerichtsbarkeit ausüben. Es konnte mit dieser Entscheidung ein großer Machtgewinn erreicht werden.

Aus alten Unterlagen ist ersichtlich, dass das Dorf und seine unmittelbare Umgebung um 1570 neben den Bauern folgende Gewerbe aufzuweisen hatte: drei Schankstätten mit Braugerechtigkeit, die Mühle unterhalb des Schlosses, Schneider, Wagner, Schmied und Zimmermann. Es darf angenommen werden, dass auch Bäcker und Metzger vorhanden waren. Die Bauern hatten für die Bewirtschaftung des Grund und Bodens auf dem sie saßen, an die „Herrschaft“ Geld- und Naturalgaben zu zahlen. Vogt, Förster und Pfarrer wachten als herrschaftliche Beamte über die Einhaltung der erlassenen Gebote und Verbote. Obwohl die Guttenberg sicher schon vorher die Jagd auf Rot- und Schwarzwild ausübten, wurde Ihnen dieses Recht offiziell erst 1602 durch das Reichskammergericht bestätigt.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1631) wurde Alt- und Neuguttenberg von kaiserlichen Truppen wieder zerstört. Das Dorf selbst wurde nicht in Brand gesteckt. Ende 1661 war der Neubau des Schlosses durch Georg Enoch von Guttenberg bereits abgeschlossen und hieß von jetzt an nur noch Schloss Guttenberg, weil das Schloss Alt-Guttenberg nicht mehr errichtet wurde.

Dank der guten Beziehungen der Familie zum Würzburger und Bamberger Fürstenhof konnten immer wieder Söhne die geistliche Laufbahn einschlagen und höchste Ämter besetzen. Neben dem Machtgewinn kam dadurch natürlich auch Geld in die Familie. Es war Dompropst Otto Philipp von Guttenberg, der im Jahr 1700 bei Kaiser Leopold die Privilegierung der Familie mit dem Freiherrentitel erreichte. Daraus lässt sich schließen, dass die Guttenberg – und insbesondere die Steinenhauser Linie – zu dieser Zeit zur Machtelite des fränkischen Adels zählten.

Im 18. Jahrhundert wurde die Adelsfamilie wieder katholisch, das Dorf selber blieb evangelisch. 1778-1782 wurde deshalb an das Schloss eine Kapelle angebaut und der Turm erhöht. Die Schlossherren versuchten zielstrebig immer mehr katholische Bürger im Ort anzusiedeln. 1803 erhielt Franz Wilhelm Freiherr von und zu Guttenberg die Aufforderung zum Untertaneneid zugunsten von Kurfürst Maximilian Joseph IV. von Bayern, welche dieser jedoch nicht unterschrieb und unausgefüllt zurückschickte. Daraufhin wurde dem Widerborstigen der Besitzentzug angedroht. Nachdem Guttenberg bayerisch, preußisch, französisch und dann wieder bayerisch war, wurde in Folge der Revolution von 1848 das Herrschaftsgericht Guttenberg aufgelöst. Damit ging auch die prägende und herrschende Stellung der Familie Guttenberg für das Dorf zu Ende.

Die Guttenberger Einwohner waren nun allein Untertanen des Königs von Bayern. Die Güter, die sie vorher gewissermaßen zur Pacht innehatten, mussten sie gegen jährliche Ratenzahlung an den Staat erst langsam erwerben. Die Lebensumstände der Bevölkerung waren äußerst einfach und rauh, ohne die geringste Spur von Luxus.
Die Landgemeinde Guttenberg war nachweislich eine der ärmsten in ganz Oberfranken.

Besonders dem sozial engagierten evang. Pfarrer Popp war es zu verdanken, dass mit der Gründung eines Industrievereins, der sich zunächst der Fertigung von Haartappen widmete, innerhalb von 2 Jahren ca. 60 Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Mit 1145 Einwohnern hatte man 1875 den Höchststand erreicht.
Im Jahr 1896 wurde in 80% der Haushalte Hausweberei betrieben. Große Absatzschwierigkeiten führten in den Folgejahren jedoch zu einem starken Rückgang und neuer Not, weshalb immer mehr Einwohner wegzogen und die Einwohnerzahl bis zur Jahrtausendwende auf 719 sank.

Im 19. Jahrhundert wurde eine ganze Anzahl von Vereinen wie z.B. der Ackerbauverein, der Kriegerverein, der Turnverein, der Obst- und Gartenbauverein und die Freiwillige Feuerwehr Guttenberg gegründet.

In der Nacht des Karfreitags im Jahr 1908 brannte das ganze Schloss ab. Zweifelsohne entstand der Brand in der Sakristei der Schlosskirche. Schloss und Schlosskirche brannten völlig aus. Der Wiederaufbau in der ursprünglichen Gestalt war im Dezember des Jahres 1911 abgeschlossen. Seither besteht das Schloss in seiner heutigen Form.

Luftbild Guttenberg
Luftbild Guttenberg

Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Guttenberg eine evangelische und eine katholische Schule. Eine neue protestantische Schule wurde 1819 in der Dorfmitte (heute Obere Dorfstr.) von der evang. Kirchengemeinde errichtet. Der Lehrer war zugleich Kantor und Kirchner. Die neue katholische Schule wurde 1820 am nordwestlichen Dorfende (heute Hohberg) von der politischen Gemeinde erbaut. Auch der kath. Lehrer war zugleich Mesner, Organist und Chorrektor und besorgte die Gemeindeschreiberei von Guttenberg und Vogtendorf. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die evangelischen und katholischen Kinder gemeinsam in beiden Gebäuden unterrichtet. Ein neues Schulhaus, in dem nun alle Kinder des Ortes unterrichtet wurden, entstand 1960 in der Siedlung. (2 Lehrer für 96 Kinder) Aufgrund nachlassender Schülerzahlen wurde dieses Schulhaus 1990 aufgelassen und die Guttenberger Kinder werden derzeit im Grundschulverband Untersteinach/Ludwigschorgast und im Mittelschulverband Stadtsteinach/Untersteinach unterrichtet.

Ein wichtiges Ereignis in der Entwicklung der Gemeinde war 1892 der Neubau der gemeindlichen Wasserversorgung mit einer Bausumme von rund 17.000,-- Mark.

Diese Anlage war bis 1975 in Betrieb, als die Versorgungseinrichtung komplett erneuert wurde. 1946 hatte die Gemeinde bedingt durch die Zuwanderung von Flüchtlingen 980 Einwohner. Ein Rückschlag musste hingenommen werden, als 1951 die 120 Einwohner  der 19 Häuser des Ortsteiles Neuguttenberg die Umgemeindung nach Traindorf beantragten. Nachdem sich bei einer Abstimmung 80% für die Umgemeindung entschieden, wurde per 1.1.64 die Gebietsänderung von der Regierung verfügt.

Trotzdem hatte man 1970 noch 618 Einwohner zu verzeichnen. Glück hatte die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform 1978, als durch die Bemühungen des damaligen Landtagsabgeordneten Herbert Hofmann und des Bundestagsabgeordneten Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg die Selbständigkeit erhalten werden konnte. 
Seit 1.1.1978 ist Guttenberg mit rund 550 Einwohnern die kleinste selbständige Gemeinde Oberfrankens und gehört der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach an.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts ernährte sich die Bevölkerung Guttenbergs von der Landwirtschaft, dem Handwerk, der Hausweberei und der Tätigkeit als Tagelöhner.
Heute versteht sich das Dorf als idyllisch gelegene Wohngemeinde. Die Einwohner verdienen ihren Lebensunterhalt größtenteils als Pendler in Betrieben und Ämtern der Kreisstadt Kulmbach. Die Landwirtschaft spielt für die Erwerbssituation keine bedeutende Rolle mehr. Durch Ausweisung von Bauland wird versucht, die Einwohnerzahl zu halten.

Ein neuer Bauhof wird seit der Übernahme eines Firmengebäudes im Jahr 2002 am Ortseingang unterhalten, in dem sich auch die neue Gemeindekanzlei befindet.
Im Jahr 2003 wurde mit dem Anschluss an die Kläranlage der Stadt Kulmbach eine zeitgemäße Abwasserentsorgung sichergestellt und damit auch die weitere Ausweisung von Bauplätzen ermöglicht. Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Untersteinach betreibt man eine Kindertagesstätte mit Krippe und Hort. 
Deutschlandweit ist Guttenberg in aller Munde, seit Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg im Febr. 2009 Wirtschaftsminister und dann Verteidigungsminister wurde. Sein Vater ist der weltweit bekannte Dirigent und Umweltaktivist Enoch Freiherr zu Guttenberg.

Der Guttenberger Adelsfamilie ist es gelungen, über die Jahrhunderte hinweg ihren Besitz zu erhalten. Am Ortseingang erstrahlt ihr Schloss auf der Anhöhe eingebettet in prächtigem Laubwald.

 

Verfasser: Eugen Hain, März 1998 (aktualisiert: März 2015)

Literaturverzeichnis

  • "Schloss Guttenberg und die früheren oberfränkischen Burgen des Geschlechts" von Helmut Kunstmann (Kommissionsverlag F. Schöningh, Würzburg)
  • "Ritterschaftl. Herrschaftswahrung in Franken" von Dr. Klaus Rupprecht(Verlag Degener &. Co., Neustadt a.d. Aisch)
  • "Karl Theodor von und zu Guttenberg und das Zustandekommen der Großen Koalition" von Dr. Ulrich Wirz (Menzner Verlag, Grub am Forst)
  • "Beim Namen gerufen (Erinnerungen)" von Elisabeth Freifrau zu Guttenberg (Ullstein Verlag, Frankfurt, Buch-Nr. 23260)